Aktuelle Informationen
Auffällige Häufigkeit der Netzfrequenzmeldungen (22:00 MEZ / 22:00 MESZ)
In den letzten Monaten ließen sich vermehrt Auffälligkeiten in Form von Netzfrequenztrigger- und Frequenzsprungmeldungen um jeweils 22:00 Uhr (MEZ/MESZ) beobachten. Im Austausch mit unseren Fachexperten hat sich eine bereits länger bestehende Hypothese erhärtet, die den direkten Zusammenhang mit regulatorischen Vorgaben untermauert.
Möglicher Grund für die Meldeereignisse ist die zeitgleiche, regulatorisch bedingte Abschaltung zahlreicher Windenergieanlagen.

Bild: Auswertung Netzfrequenzsprungmeldung 24. März.2026 (21:00 UTC / 22:00 MEZ) LEVEL 5
allgemeine Informationen zum Netzfrequenzsprung (RJ2-Netzfrequenzinfodienst) hier...
Übersicht Häufung der Netzfrequenzsprungmeldung
Anmerkung:
Die Netzfrequenzsprünge treten konsistent um 22:00 Uhr Ortszeit auf. Während der Winterzeit (MEZ) entspricht dies 21:00 Uhr UTC. Nach der Umstellung auf Sommerzeit (MESZ) am 29.03.2026 finden die Ereignisse weiterhin um 22:00 Uhr Lokalzeit statt, was dann 20:00 Uhr UTC entspricht.
Dies belegt, dass die Systematik der Frequenzsprünge an die gesetzliche Uhrzeit (22:00 Uhr MEZ bzw. MESZ) gebunden ist.
Datum | MEZ/MESZ | Delta | Netzlast Differenz | Level |
|---|---|---|---|---|
29.03.2026 | 22:00 | -156mHz in 35s | -2600 | 3 |
25.03.2026 | 22:00 | -145mHz in 49s | -2400 | 3 |
24.03.2026 | 22:00 | -193mHz in 62s | -3200 | 5 |
18.03.2026 | 22:00 | -127mHz in 39s | -2100 | 2 |
15.03.2026 | 22:00 | -111mHz in 27s | -1800 | 1 |
12.03.2026 | 22:00 | -133mHz in 34s | -2200 | 2 |
28.02.2026 | 22:00 | -137mHz in 36s | -2300 | 3 |
22.02.2026 | 22:00 | -122mHz in 41s | -2000 | 2 |
15.02.2026 | 22:00 | -126mHz in 35s | -2100 | 2 |
03.02.2026 | 22:00 | -131mHz in 52s | -2200 | 2 |
09.01.2026 | 22:00 | -117mHz in 34s | -1900 | 2 |
02.01.2026 | 22:00 | -122mHz in 37s | -2000 | 2 |
18.12.2025 | 22:00 | -132mHz in 48s | -2000 | 2 |
10.12.2025 | 22:00 | -130mHz in 46s | -2000 | 2 |
07.12.2025 | 22:00 | -142mHz in 44s | -2200 | 2 |
06.12.2025 | 22:00 | -127mHz in 33s | -1900 | 2 |
01.12.2025 | 22:00 | -146mHz in 38s | -2200 | 2 |
27.11.2025 | 22:00 | -127mHz in 56s | -1900 | 2 |
12.11.2025 | 22:00 | -116mHz in 37s | -2211 | 3 |
03.11.2025 | 22:00 | -144mHz in 40s | -2211 | 3 |
28.10.2025 | 22:00 | -131mHz in 30s | -2016 | 2 |
26.10.2025 | 22:00 | -149mHz in 49s | -2288 | 3 |
23.10.2025 | 22:00 | -137mHz in 50s | -2090 | 2 |
21.10.2025 | 22:00 | -118mHz in 36s | -1840 | 2 |
03.09.2025 | 22:00 | -125mHz in 30s | -1930 | 2 |
Immissionsschutz und Netzstabilität: Ein technischer Zielkonflikt?
Rechtliche Rahmenbedingungen und ihre Auswirkungen
Die gängige Praxis folgt festen regulatorischen Vorgaben: Basierend auf der TA Lärm sind Betreiber von Windenergieanlagen häufig dazu verpflichtet, die Erzeugung in den Nachtstunden zwischen 22:00 Uhr und 06:00 Uhr zu drosseln. Während diese Maßnahme dem Schutz der Anwohner dient, ergeben sich daraus für das Gesamtsystem technische Implikationen, die einer genaueren Betrachtung bedürfen.
Systemtechnische Folgen der nächtlichen Leistungsregelung
Aus netztechnischer Sicht wirft diese starre zeitliche Steuerung wesentliche Fragestellungen auf:
Herausforderung der Gleichzeitigkeit: Wenn eine Vielzahl von Anlagen exakt zum selben Zeitpunkt (22:00 Uhr) die Einspeisung reduziert und um 06:00 Uhr wieder erhöht, entstehen – insbesondere bei hoher Windstromeinspeisung – signifikante Leistungsgradienten im Stromnetz. Es ist fraglich, ob diese künstlich herbeigeführten Belastungsspitzen im Sinne eines stabilen Netzbetriebs langfristig die optimale Lösung darstellen.
Differenzen in der Bilanzierung: Zwar erfolgt eine rechnerische Kompensation dieser Sprünge innerhalb der Bilanzkreisabrechnungszeitintervalle, die physikalische Realität stellt sich jedoch komplexer dar. Die unterschiedlichen Leistungsänderungsgeschwindigkeiten der beteiligten Erzeugungsanlagen führen unweigerlich zu kurzfristigen deutlichen Netzfrequenzeinbrüchen (siehe auch Infos zu Fahrplanwechsel)
Messbare Effekte auf die Netzfrequenz: Diese Abweichungen zwischen Erzeugung und Last sind häufig in der Netzfrequenz sichtbar (Netzfrequenzinfodienst Meldungshäufigkeit 21:00 Uhr UTC / 22:00 Uhr MEZ).
Zusammenfassend stehen folgende kritische Punkte im Fokus:
-
Systemdienlichkeit: Die fachliche Rechtfertigung des Regelleistungseinsatzes zur Kompensation rein regulatorisch bedingter Netzfrequenzsprünge.
-
Vergütungslogik: Die Klärung von Entschädigungsansprüchen bei regulatorischen Abschaltungen von Windenergieanlagen (Redispatch-Regelungen).
-
Ökologische Bilanz: Die Bewertung der Emissionsauswirkungen, wenn regenerative Erzeugung durch konventionellen Graustrom (Gas/Kohle) ersetzt werden muss.
Quellen und weitergehende Informationen:
https://www.linkedin.com/pulse/wer-dreht-so-sp%25C3%25A4t-wind-und-nacht-ulf-kasper-artbe/
https://www.saurugg.net/das-europaeische-stromversorgungssystem/aktuelle-situation
https://www.landundforst.de/energie/windenergie/stehen-windraeder-oft-still-573820
https://taz.de/Europaeisches-Stromnetz/!6166827/
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